Paul Cézanne Das Stillleben als modernes Genre

Eine der prominentesten Bildformen des französischen Malers Paul Cézanne, der als Wegbereiter für die Moderne gilt, sind Stillleben. Dies verwundert zunächst, sind doch Stillleben eines der traditionellsten Genre überhaupt, die besonders in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts ihre Blütezeit erreichten und sich als Sonderform des Genrebilds etabliert hatten. Doch anders als die niederländischen Genremaler, huldigte Cézanne nicht seinen Modellen, namentlich dem Obst, den Kannen und Tischtüchern seiner Arrangements, sondern verwendete diese Bildform, um künstlerischen Fragestellungen auf die Spur zu kommen.

Während seine impressionistischen Malerfreunde, mit denen er ein Stück seines künstlerischen Weges ging, sich der Veränderung der Gegenstände und Landschaften im Licht widmeten, begann Cézanne seit den 1880er Jahren mehr und mehr, sich für den Zusammenhang von Farbe und Form zu interessieren. Die Ordnung der Dinge im Bildsystem wurde für ihn wesentlich. Die Farbe war hierbei das Ordnung und Struktur generierende Element. Da die direkte Anschauung am natürlichen Objekt für Cézanne maßgeblich war, arrangierte er Äpfel, Orangen und begleitendes Beiwerk unermüdlich neu. So entstand eine Summe von mehr als 170 Stillleben, die einen wesentlichen Teil seines Gesamtwerkes ausmachen. Innerhalb seiner Kompositionen versuchte er, die porträtierten Gegenstände den Grundformen Kreis, Kubus und Zylinder zuzuordnen ein Prinzip, das Wassily Kandinsky mehr als 30 Jahre später wieder aufgreifen sollte.

Die Reduzierung der Objekte auf Grundformen, die Funktion der Farbe als bildordnendes Element, betonte den zweidimensionalen Charakter des Bildes in einer Form, die für die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts wegweisend werden sollte. An Poster, Kunstdrucke wie Stillleben mit Milchkrug, Äpfeln und Zitronen oder Stillleben mit Äpfeln und Keksen“ können diese Prinzipien hervorragend nachvollzogen werden.