Dez 10




Ungefähr die Hälfte unserer Bausubstanz soll mittlerweile ein Schimmelproblem haben, so sagen jedenfalls die Experten. Tendenz steigend.

Warum war das eigentlich früher nicht so? Gerade damals, mit den vielen Natursteinkellern, ohne
Abdichtung gegen Erdfeuchte in Form einer Horizontalsperre, einer Vertikalsperre oder andern Maßnahmen, mit so viel Feuchtigkeit hätte doch gerade damals der Schimmelbefall viel stärker sein müssen, als heutzutage. Genau das stimmt so nicht. Um die Voraussetzungen für einen Schimmelbefall zu bieten, sind mindestens zwei Faktoren erforderlich: Feuchtigkeit und ein organischer Untergrund. Fehlt einer dieser Faktoren, kann sich kein Schimmelpilz bilden und damit entfallen automatisch auch alle Gründe für eine Schimmelbekämpfung oder Schimmelsanierung.

Niemand hat früher seinen alten Keller tapeziert, mit Holz verkleidet oder mit einer Dispersionsfarbe gestrichen. Selbst viele Wohnräume wurden bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein oft noch mit einfacher Kalkfarbe gestrichen. Diese ist reinmineralisch, wirkt desinfizierend und kann zudem Feuchtigkeit kapillar leiten.

Schimmelallergie und Schimmelbekämpfung waren fast unbekannte Worte. Und heutzutage? Schon längst haben wir im Neubaubereich den Wert des Kellers als Wohnraum erkannt und bauen entsprechend. Die Feuchtigkeit wird durch bautechnische Maßnahmen ausgesperrt mit der Folge, dass wir innen immer mehr Baustoffe einsetzen, die sich mit Feuchtigkeit nicht mehr vertragen. Unsere Keller sollen schön sein, mit geraden Wänden, sauber und weiß gestrichen. Wo früher bestenfalls ein Luftkalkputz und eine Kalkfarbe zur Verwendung kamen, ist es heute der Kalkzementputz mit einer Dispersionsfarbe. Kalkzementputz ist billiger, einfacher und in höheren Schichtstärken zu verarbeiten und die Dispersionsfarbe ist anfällig gegen Schimmelbefall. Ein kleiner Defekt in der Außenabdichtung reicht schon aus, Feuchtigkeit kann ins Mauerwerk eindringen und ein fataler Kreislauf aus Putzversalzung, Schimmelbekämpfung, Kellersanierung und Misserfolgen beginnt. In gewisser Weise sind die Ursachen,
die eine Schimmelsanierung erforderlich machen, dadurch hausgemacht.

Wer Baustoffe und Farben verwendet, die eine gewisse Anfälligkeit für einen Befall mit Schimmel bieten, darf sich nicht wundern, wenn sich dort unter den richtigen Bedingungen auch Schimmelpilz bildet.

Der Irrsinn bekommt System, wenn ein Naturstein- oder Ziegelkeller mit heutigen Putzen und Farben instand gesetzt werden sollen. Die Außenabdichtung wird gleich eingespart weil zu teuer und sodann wird verputzt und gestrichen was das Zeug hält. Der nächste Baumarkt ist ja gleich um die Ecke. Alles sieht schön aus und nach 2 Jahren ist der Jammer groß. Die Farbe schimmelt, der Putz fällt fast von der Wand und oft stinkt es bestialisch. Ein neuer Versuch, diesmal mit etwas teureren Materialien; das Ergebnis ist klar, es schimmelt wieder. Die Kellersanierung ist auch in die Hose gegangen.

Der Fachmann wird gerufen und nun kommen sie, die Sanierer dieser Welt. Jeder spricht von Schimmelbeseitigung, Schimmelbekämpfung und Schimmelsanierung, bietet Horizontalsperren, Vertikalsperren, Mauertrockenlegung Sperrputz oder Sanierputz an, dazu noch Schleierverfahren, Elektroosmose, Antischimmelfarbe und der Kopf des Ratsuchenden raucht. Irgendwann entscheidet sich der verwirrte Verbraucher also für irgendwas. Kaum irgendwo wird so viel Geld erfolglos vergraben wie bei der Kellersanierung.

In diesem Fall wäre die Lösung sogar relativ einfach und preiswert. Wenn der Keller ein Nutzkeller bleiben soll reicht es meist aus, den Putz zu entfernen und den Originalzustand des Mauerwerks wieder herzustellen. Das sieht oft nicht besonders schick aus, ist aber preiswert, nachhaltig und effektiv. Auch für die optisch ansprechende Kellersanierung gibt es Lösungen, hier muss der Verbraucher aber etwas mehr Geld in die Hand nehmen.

Nicht nur bei älteren Häusern ist es wichtig, auch ein relativ junges Haus mit zum Beispiel einem Defekt in der Außenabdichtung muss bauartgerecht saniert werden. Bauarten gibt es aber viele, mögliche Defekte als Ursache der Feuchtigkeit auch. Das bedeutet aber, jede mögliche Lösung ist immer abhängig vom Einzelfall.

Ein Verfahren für alle Anforderungen, das gibt es nicht. Auf der Basis von Baumärchen kann man weder einen Keller, noch Wohnräume oder irgendetwas anderes sanieren. Zu einer nachhaltigen Schimmelsanierung gehört also auch immer die Feststellung und Beseitigung der Ursache, wo immer möglich.

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