Nur wenige Jugendbewegungen haben so viel Kontroverse und Vorurteile ausgelöst wie die Gothic Bewegung
Allein der Rückzug aus der Gesellschaft, die extravagante Kleidung und die Vorliebe für Tabu-Themen wie Vergänglichkeit und Tod scheinen wie eine Provokation zu wirken, obwohl die Goths als ausgesprochen friedlich gelten. Ein Bild der Gothic Szene, dass sich seit ihrer Entstehung in den 80er Jahren bis heute hartnäckig hält, ist das des grabschändenden Jugendlichen, der seine Freizeit im Sarg und bei der Teufelsanbetung verbringt. In der Tat sorgten in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts einige unbekümmerte jugendliche Goths für Schlagzeilen, als sie unbesorgt Grabschmuck, Kreuze und Kerzen aus Friedhöfen entwendeten, um sie als Schmuckgegenstände für das eigene Zimmer zu verwenden. Sie schufen damit unbeabsichtigt den Schreckensstempel, der der Szene bis heute aufgedrückt wird.
Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Erstens ist die Szene sehr divers, es gibt viele Untergruppen, etwa die Endzeitromantiker, die sich als Spiegel der apokalyptischen, todeskonzentrierten Weltsicht sehen, die Batcaver, Goths mit Punk-Anklängen, die dem Tod mit Humor begegnen, Gruftis, die am liebsten Wave-Musik hören oder Schwarzromantiker, die sich gerne viktorianisch kleiden, neben vielen anderen Stilrichtungen.
Gothic Fans finden sich in jeder Altersgruppe wieder. Allen gemeinsam sind die Beschäftigung mit der düsteren Seite des Lebens, und die Vorliebe für ungewöhnliche Musik. Sorgen bereitet der Szene die „Unterwanderung“ durch BDSM Anhänger, die sich für ihre erotische Spielart viele Anleihen aus der Gothic Ästhetik genommen haben. Mit diesen Erosfixierten wollen die „Schwarzen“ eigentlich nichts zu tun haben, aber auch sie prägen das Bild des „bösen“ Satansanhängers in der Öffentlichkeit, die der Philosophie und Lebensführung der Goths mehr als skeptisch gegenübersteht, ebenso wie ihrem extravaganten Kleidungsstil die der gängigen bunten Kaufhausmode total konträr ist.
Für einen normalen Bildzeitungsleser ist eine Lebenshaltung, die sich vornehmlich mit Tod, Vergänglichkeit und der Vergangenheit beschäftigt, eben wahrscheinlich mehr als unverständlich. Dieses kann man nachvollziehen. Der Gedanken an den Tod und die Vergänglichkeit passen nicht so recht in eine Gesellschaft, die in erster Linie an Karriere denkt, an Konsum und daran, es sich möglichst so bequem zu machen, dass das Leben sich weich und sicher wie in Wasserbetten von www.ewp-wasserbetten.com anfühlt.
